liberare (lat.)    veredeln, freilassen, freisetzen

Wer Solarstrom produziert, lebt mit schwankender Produktion. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der solare Stromertrag der eigenen Nachfrage entspricht. In der Konsequenz muss der Überschußstrom gemanagt werden.

Üblich sind folgende Herangehensweisen:

  • Nutzung des Verbundnetzes als elegante Stromsenke.
  • Einbau eines Speichers, der das Objekt mehr oder weniger autark von der öffentlichen Stromversorgung macht.
  • Anschluß eines Großverbrauchers mit eigenem Speicher (z.B. Auto, virtuelles Kraftwerk)
  • Lastmanagement durch intelligente Zu- und Abschaltung von Verbrauchern.

Die Lösungen sind getrieben von der schlichten Tatsache, dass Überschußstrom quasi verschenkt werden muss. Die Preisdifferenz zwischen dem Stromankauf aus dem öffentlichen Netz und dem der kalkulatorischen Eigenproduktion bestimmt die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen.

Neue Ideen sind gefragt

Die oben aufgezählten Maßnahmen sind der Vorstellung geschuldet, zuviel erzeugter Solarstrom sei »Abfall«. Dessen Verwertung gehorcht im Grunde der Philosophie eines Wertstoffhändlers.

Schlüssel für ein neues Verständnis für die Wertigkeit des erzeugten Stroms ist eine Betrachtung von Opportunitäten. Wenn ich weiss, dass an einem sonnigem Tag eine gewisse Strommenge produziert wird, kann ich mich hierauf vorbereiten. Im Kleinen imitiert man das Verhalten der Energieversorger, die ihren Kraftwerkspark wetterabhängig managen. Aus der Sicht eines Energieversorgers gilt es, vorab bekannte Stromlasten über den verfügbaren Kraftwerkspark zu versorgen. Ein privater Sonnenstromproduzent muss die schwankende Produktion so gut es geht mit adäquaten Verbrauchern abgleichen.

Es gibt zwei Anwendungsszenarien:

  1. Die variablen Verbraucher liefern einen Mehrwert gegenüber der Fall-Back-Lösung für Überschußsstrom, dem Einspeisen in das Verbundnetz.
  2. Es gibt einen Stromverbrauch, der intrinsisch einen positiven Geldstrom erwirtschaftet, so dass sich auch kleinere Investitionen rechnen.

Beispiele:

  • Es gibt eine inelastische, zeitunkritische Nachfrage nach stromintensiven Dienstleistungen.

    • Hier wäre z.B. das Mahlen von Mehl für eine kommunale Backstube zu nennen. Einmal pro Woche wird Brot gemacht. Irgendwann in dieser Zeit muss genug Stromreserve aufgebaut werden, dass der Rohstoff vorliegt. (Kriterium: Das Produkt ist kurzfristig lagerbar)
    • Der Einsatz eines Rasenmähroboters fällt genauso hier hinein.
  • Wenn man einen Computer anschafft und einen kleinen Pufferspeicher (USV o.ä) kann man mit einem kleinen Einsatz kontinuierlich Cryptowährungen staken. Hier unterstützt die solare Energieerzeugung die private Geldanlage. (siehe Staking & Mining im Schwerpunkt Digitale Zukunft des Hieronymus-Blogs).